Professionelles Handeln von Lehrpersonen im Unterricht mit Schülern und Schülerinnen mit schwerer Behinderung

Ursula Böing
Professionelles Handeln von Lehrpersonen im Unterricht mit Schülern und Schülerinnen mit schwerer Behinderung.
Die “Forschungswerkstatt” als Instrument der Lehrerbildung in arbeitsplatzbezogenen Reflexionsprozessen
Universität Köln, Univ. Diss., 2010

Zusammenfassung

DissertationenDie qualitative Studie fokussiert die professionelle Entwicklung von Lehrpersonen, die schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler unterrichten. Basierend auf Untersuchungen, in denen sich eine defizitäre Bildungsrealität von schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern offenbart, nutzt die Studie die Perspektive der handelnden Lehrpersonen, um Erkenntnisse über besondere Handlungsanforderungen im Unterricht mit diesem Personenkreis zu generieren und daraus Folgerungen für die Konzeption von Lehrerfortbildungen abzuleiten. Den theoretischen Zugang bilden einerseits die sozialphänomenologischen Analysen zur Lebenswelt (Schütz, Luckmann). Konkretisiert und ergänzt werden diese Analysen durch strukturtheoretische Forschungen zur Lehrerprofessionalität (Oevermann, Helsper). Für die vorliegende Studie erhellen die Untersuchungen den Zusammenhang von Wissen und Handeln in der alltäglichen Lebenswelt und lassen Rückschlüsse auf die besonderen Bedingungen und Erfordernisse des Handelns von Lehrpersonen in unterrichtspraktischen Situationen zu. Methodisch ist die Studie in zwei Forschungsphasen geteilt: In einer „Forschungswerkstatt“ erörtern Lehrpersonen, die schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler unterrichten, Handlungsanforderungen ihres Unterrichts und entwickeln Handlungsstrategien. Die „Forschungswerkstatt“ ist als Handlungsforschungsprozess (Altrichter) angelegt. In einer zweiten Phase erfolgt die Auswertung der „Forschungswerkstatt“ mittels der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring). Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Lehrerhandeln im Unterricht mit schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern in besonderer Weise von Antinomien, Ungewissheiten und widersprüchlichen Strukturen geprägt ist. Das Spannungsverhältnis zwischen Unterricht, Pflege und Therapie, die diagnostische Ungewissheit, die widersprüchlichen Rollenanforderungen und der Umgang mit Heterogenität und Homogenität in Lernsituationen werden in dieser Studie als antinomische Handlungsanforderungen identifiziert. Die Studie belegt, dass diese Antinomien in einem reflexiven arbeitsplatzbezogenen und handlungsbegleitenden Fortbildungsprozess wirksam bearbeitet werden können.

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