Die Ambivalenz in der Pflege auf dem Professionalisierungsweg

Heidemarie Weber
Die Ambivalenz in der Pflege auf dem Professionalisierungsweg
- eine empirische Untersuchung bei der täglichen Visite
Universität Freiburg, Univ. Diss., 2002

Zusammenfassung

DissertationenVor dem Hintergrund der aufstrebenden Krankenpflege zu einem professionelleren Berufsprofil erfolgt eine Standortuntersuchung zur Visitenkommunikation und -organisation (2000). Untersuchungsfrage: Wie professionell äußern sich Pflegende gegenüber Ärzten und Patienten bei der Visite? Material und Methoden: Bei 89 Visitenbegleitungen werden Beobachtungsdaten erhoben, Tonbandaufnahmen und einzelne vertiefende Interviews mit Patienten, Ärzten und Pflegenden durchgeführt. Hinzu kommt eine Fragebogenaktion mit 78 Pflegenden und 38 Ärzten zur Visiteninteraktion und -kommunikation. Statistische Auswertung mit SPSSWin, der Interviews nach inhaltsanalytischen Gesichtspunkten. Ergebnisse: Die quantitative Analyse von 815 Visitendialogen zeigt u.a., dass pflegerische Beiträge nur knapp 14% aller Redebeiträge ausmachen, obwohl die Bedeutung pflegerischer Beiträge von mehr als 90% aller Protagonisten „hoch“ eingeschätzt wird, und dass sich die Redebeiträge der Pflegenden mit steigender Visitenhierarchie halbieren. Aus der qualitativen Analyse von 6 Einzelfallstudien sind u.a. formale und inhaltliche Gründe für die geringe Beteiligung der Pflegenden und die mangelnden Ansprache durch die Ärzte erkennbar. Zu formalen Gründen ist aus pflegerischer Perspektive die Wechselwirkung zwischen (1) traditioneller Unterordnung und mangelnder Ansprache durch die Ärzte, (2) dem Professionsegoismus der Ärzte und (3) der Visitenhierarchie und einem daraus resultierenden Barriereverhalten zu rechnen. Aus ärztlicher Perspektive ist es (4) der häufige Wechsel der Bezugspflegenden und (5) die Unkonzentriertheit der Pflegenden bei der Zusammenarbeit. Zu den inhaltlichen Gründen zählt (6) der Wissensmangel der Pflegenden, (7) das fehlende Bewusstsein für die Bedeutung pflegerischer Tätigkeiten und schließlich (8) ein latenter Loyalitätskonflikt in der Beziehung zu Patient und Arzt.

Zur Dissertation



Einen Kommentar hinterlassen

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 917,621 bad guys.